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 Düsseldorf, 14. August 2012 – Man spürt die Verkrampfung der Industriekapitäne der Deutschland AG, wenn sie sich mit Dingen beschäftigen müssen, die sie nicht kapieren. Der Grafiker Quentin Fiore formuliert das in seinem Opus „Das Medium ist die Massage“ mit drastischen Worten: Ein Überleben sei heute unmöglich, wenn man sich seiner Umwelt, dem sozialen Drama, mit einer starren, unveränderlichen Haltung nähert – eine geistlose, immer gleiche Reaktion auf das Verkannte. „Leider begegnen wir dieser neuen Situation mit einem riesigen Ballast überholter intellektueller und psychologischer Reaktionsmuster. Sie lassen uns h-ä-n-g-e-n. Unsere eindrucksvollsten Wörter und Gedanken verraten uns. Sie verbinden uns mit der Vergangenheit, nicht mit der Gegenwart“, schreibt Fiore. Der traditionelle Manager hasst die Welt der Blogs, Foren und Netzwerke. Alles eine Zeitgeisterscheinung. Er kann einen Tweet nicht von einem Tweed unterscheiden. Letzteres hängt ja als Sakko in seinem Kleiderschrank. Warum sollte es da noch etwas anderes geben. Neumodischer Kram. Das Netz richtet sich aber nicht mehr nach den Gesetzen der Tweed-Kanalarbeiter.

Kulturschock in der alten Wirtschaftswelt                  Gerhard Hagspiel, Experte für Lifedesign und Handlungskompetenz

Es gehe um nichts weniger als „einen Kulturshift“, so der Berater Alexander Greisle http://www.work-innovation.de. Vorgesetzte müssten Offenheit lernen, Kontrolle abgeben, Ergebnisse auch aushalten. „Hat ein Unternehmen eine ausgeprägte Präsenz- und Meetingkultur, nützt es nichts, einfach Technik reinzupacken und zu behaupten: Wir sind offen für Digital Natives.“

Wer vernetztes Arbeiten erwarte, das Verschwimmen räumlicher und zeitlicher Grenzen, den Einsatz kollaborativer Werkzeuge, der tut sich mit nine to five, Hierarchien und der klassischen Kaminkarriere schwer: Man spüre fast körperlich den Praxisschock junger Menschen, die mit der klassischen Welt des Managements konfrontiert werden, meint Greisle. Am Ende entstehe eher Frustration beim Management-Nachwuchs. „Organisationen, die das nicht verhindern können, verlieren hoffnungsvolle Talente und verspielen über kurz oder lang ihre eigenen Zukunftschancen“, sagt Personalexperte Udo Nadolski, Geschäftsführer von Harvey Nash http://www.harveynash.com/blogs/udo_nadolski in Düsseldorf.

Über die Erfahrungswelten, die vor allen Dingen die jungen Menschen aus sozialen Netzwerken und der Anwendung von Web 2.0-Technologien mitbringen, werde nicht nur das Zusammenspiel von Verbrauchern und Unternehmen radikal verändert. „Es verändern sich auch die Spielregeln in den Organisationen von Staat und Wirtschaft. Wer hier weiter auf starre Kommandostrukturen setzt, verliert als Arbeitgeber an Attraktivität und bekommt auf dem Arbeitsmarkt nicht die besten Köpfe“, prognostiziert der Personalexperte von Harvey Nash.

Der Nutzen von Social Software und Neuer Künstlicher Intelligenz 

Der unternehmensinterne Einsatz von Social Media biete auch nach Ansicht von bwl zwei null-Blogger Matthias Schwenk http://www.bwlzweinull.de enorme Potenziale. „Das Generationenproblem ist dabei allerdings ein Hindernis. Ältere Mitarbeiter tun sich mit News Feeds in Realtime oder Wikis und Blogs noch schwer. Wenn aber nicht die gesamte Belegschaft oder das gesamte Team bei Projektarbeiten mitmacht, reduzieren sich die Wirkungseffekte ganz erheblich. Medienbrüche sind Gift für ein effizientes Arbeiten mit Social Software.“

„Dieser Übergang zum vernetzten Unternehmen kann nur erreicht werden, wenn sich der Fokus von der reinen Informationslogistik verabschiedet und die Inhalte in den Mittelpunkt rücken. Hier leistet die ‚Neue Künstliche Intelligenz‘ ihren Beitrag, indem sie das Verhalten der Mitarbeiter bei der Bewertung und Verwertung schriftbasierter Informationen erlernt. Im vernetzten Unternehmen spielt es keine Rolle mehr, ob eine Information per E-Mail, über soziale Netzwerke oder als Postdokument eingegangen ist: Sie wird genau jenen Mitarbeitern verfügbar gemacht, für die sie relevant ist. Im vernetzten Unternehmen sind die Mitarbeiter jederzeit über den Fortlauf ihrer Angelegenheiten und Projekte informiert. Nicht die Mitarbeiter suchen die Nachricht – die Nachricht findet die Mitarbeiter“, so das Credo von Ityx-Vorstandschef Süleyman Arayan http://www.ityx.de/blog/enterprise-20-social-media-durchdringt-die-unternehmenskommunikation.

 Für die Marketingprofessorin Heike Simmet von der Hochschule Bremerhaven http://hsimmet.com/2012/08/12/stufen-der-professionalisierung-von-social-media ist das Innenleben einer Organisation auch ein guter Gradmesser für die Social Media-Politik nach außen: „Nur dann, wenn Social Media mit Hilfe von sozialer Software intern durch einen offenen Austausch und mobiles Agieren von den Mitarbeitern gelebt wird, kann ein echter Dialog auch nach außen authentisch vermittelt werden.“

Vernetzt Euch! 

 Im sozial integrierten Unternehmen stehe nicht mehr die Maximierung des Shareholder Values, sondern die Maximierung des Kundennutzens unter aktiver Beteiligung der eigenen Mitarbeiter im Mittelpunkt.

„Wer sich nicht vernetzt, den bestraft der Kunde. Kunden zeigen eindrucksvoll, welche Macht und welche Möglichkeiten die Vernetzung bietet. Höchste Zeit, dass auch in den Unternehmen ein frischer Wind einzieht. Die ‚Winds of Change‘ machen nicht beim Pförtner der Unternehmen halt“, meint Harald Henn von Marketing Resultant http://marketing-resultant.de in Mainz.

Vielleicht sollten die Führungskräfte der Wirtschaft im Umgang mit dem Social Web einfach ein wenig lockerer werden und sich an dem amerikanischen Organisationspsychologen James C. March orientieren, der für eine „Technologie der Torheit“ plädiert. Er meint damit aber nicht Albernheit, sondern Verspieltheit, um Raum für Experimente zu schaffen. Organisationen kommen nicht ohne Wege aus, Dinge zu tun, für die sie keine guten Gründe haben. Es existiert in allen Entscheidungssituationen eine Menge Unsicherheit und Konfusion, die von den traditionellen Managementkonzepten und verstaubten BWL-Theorien ignoriert werden. Klugheit im Durcheinander der Vernetzung speist sich nicht aus dem kümmerlichen Geist des Controllings.

Wie man damit fertig werden kann, beantwortete Marshall McLuhan mit Verweis auf eine Kurzgeschichte von Edgar Allen Poe. Dem Matrosen in Poes Abhandlung über den „Sturz in den Malstrom“ bleibt nichts anderes übrig: Er nutzt die Strömung des Wirbels gegen ihre eigene Gewalt. Man muss mit der Geschwindigkeit gehen können, um danach erst an jenen Stellen langsam zu werden, wo es sich lohnt. Das Internet ist nur eine Zumutung, wenn man versucht, es im Griff zu haben, so das Credo des Organisationspsychologen Peter Kruse. Vernetzt Euch, das ist nicht nur das Motto des Blogger Camps vom 28. bis 29. September in Nürnberg, sondern nach Ansicht von Heinrich Rudolf Bruns, Mitglied des „Bloggenden Quartetts“, auch ein probates Mittel, um die Weisheit der Vielen für das Berufsleben zu nutzen. Siehe auch das Interview mit @hrbruns: http://soundcloud.com/gsohn/vernetzt-euch-ein-gespr-ch-mit

Kolumne unter: http://www.service-insiders.de/artikel-maschinen-und-anlagenbau/show/1479/Social-Media-und-die-Technologie-der-Torheit-%E2%80%93-Ueber-die-Ohnmacht-des-Tweed-Managers 

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 Gerhard Hagspiel, Experte für Lifedesign und Handlungskompetenz