Fehler machen? Hilfe, ja nicht!, ist die Einstellung der meisten Menschen. Es ist anscheinend verpönt Fehler zu machen und noch viel mehr diese auch einzugestehen. Fehler zu machen gilt anscheinend als Schwäche, Unwissenheit, fehlen von Intelligenz oder einfach für Versagen. Psychologen sind jedoch überzeugt , dass Fehler auch positive Wirkungen haben können.

Tony Hayward von BP-Oil musste sich im Juni 2010 dem US-Kongress stellen und sechs Stunden die Fragen zur Ölkatastrophe im Golf von Mexico beantworten. Er schaffte es sechs Stunden keine klare Aussage zu treffen. Er meinte, dass man wohl vom Versagen von einer Reihe von „Prozessen, Systemen und Ausrüstungen“ ausgehen müsse.

Er hat sechs Stunden um den heissen Brei herum geredet und keine Frage wirklich richtig beantwortet. Er hat jegliche klare Aussage zum Auslöser des Unglückes vermieden. Kein einziges Mal kam die Aussage: „Ja, wir haben Fehler gemacht“.

Scheinbar ist diese Verhalten gerade in den oberen Etagen von Unternehmen zur Normalität geworden. Die Angst vor Klagen und dem Unmut der Aktionäre verleitet Manager sich vor klaren Aussagen bezüglich Fehlern zu drücken. Dies ist jedoch nicht nur Menschen in führenden Positionen vorenthalten. Fehler einzugestehen und zu diesen zu stehen ist eine Kunst die nur sehr wenige beherrschen.

Doch Fehler gehören zum Leben wie die Luft zum Atmen. Fehler bei anderen sehen wir sehr wohl, doch wie ist es mit unseren eigenen? Jeder Mensch macht Fehler und das ist normal. Wer keine Fehler macht, der macht nichts! Oft geht auch das wegdrücken von Fehlern mit einem übermässigen Selbstvertrauen Hand in Hand. Im englischen „overconfidence“ genannt. Übersteigertes Selbstvertrauen.

Wenn wir feststellen dass wir im Unrecht sind oder Fehler gemacht haben, fühlen wir uns ertappt. Wir sind dann meistens überrascht und haben die Dinge so nicht kommen sehen. Dies ist uns peinlich, demütigend, beschämend. Fehler zu machen gilt in unserer Gesellschaft als Schwäche und muss mit allen Mitteln vermieden werden.

Dies ist jedoch wahrscheinlich der grösste Fehler. Zu denken, dass wir keine Fehler machen ist der Fehler in sich. Fehler zu machen hat nichts mit Schwäche zu tun. Fehler zu machen ist für unser Weiterkommen absolut wichtig. Dies löst bei uns neue Kreativität, die Fähigkeit zu Erkenntnissen, Empathie, Humor und neuen Mut aus. Fehler sind eine unerlässliche Quelle zu lernen und uns weiter zu entwickeln. Schliesslich ist das Im-Unrecht-sein das was uns lehrt, wer wir sind, meint auch die amerikanische Bestseller Autorin „Kathryn Schulz“.

Warum fällt es uns so schwer, Fehler zuzugeben?

Weil es sich gut anfühlt! Man braucht kein Studierter zu sein, um das Gefühl „Recht zu haben“ zu geniessen. Ob Sie bei einem Quiz die richtige Antwort wissen oder Geld investiert haben, welches gute Erträge bringt, Sie fühlen sich gut dabei. Vielleicht kennen Sie das Lächeln auf den Lippen, wenn jemand innerlich sagt: „ich habe es gewusst“. Wir freuen uns sogar, wenn die schlimmsten Befürchtungen wahr werden. Auch dann wenn Sie in die entgegengesetzte Richtung fahren, nur weil Ihr Partner das gesagt hat und dann heraus kommt, dass Sie recht hatten.

Ein weiterer Grund, warum wir Fehler nicht zugeben wollen ist dass es sich schlecht anfühlt, einen Fehler gemacht zu haben. Im Gesundheitsbereich wurden hier gezielte Untersuchungen gemacht. Dabei wurde aufgezeigt, dass Ärzte und Pflegepersonal extrem leiden, wenn sie Fehler gemacht haben. Sie reagierten mit Schuldgefühlen, waren schockiert, fühlten sich machtlos und wertlos, als ob sie die Kontrolle verloren hätten. Scham und Schuldgefühle waren oft das Resultat. An ihren Fehlern, wie ein Medikament vertauscht oder einen Patienten falsch behandelt, hatten die Ärzte und Schwestern oft sehr lange zu knabbern. Sie machten sich Selbstvorwürfe und hatten massive Selbstzweifel über Wochen. Auch Schlafstörungen, Alpträume und Depressionen waren die Folgen.

Weil diese Fehler oft schwerwiegende Folgen haben, mag dieses Verhalten in dieser Berufsgruppe wohl sehr stark ausgeprägt sein. Aber auch in anderen Gruppen kommen diese Reaktionen vor. Der Schüler der eine wichtige Prüfung versaut hat, die Mutter welche in der Erziehung über die Grenzen ging, der Lehrer der überreagiert hat. Der Blutdruck steigt, die Haut wird rot und der Schweiss rinnt. Sie alle Ärgern sich über den Fehler. Sie schämen sich oder haben Schuldgefühle.

Wissenschaftler haben heraus gefunden, dass unser Gehirn auf Fehler reagiert. Vor allem auf Fehler, welche uns in unserer Existenz bedrohen. Fehler die unsere Finanzen beeinflussen werden sehr stark gewertet und mit spezifischen Signalen versorgt (error-related potential). Das ist wohl der Hauptgrund, warum Fehler machen als Übel empfunden wird. Wer will sich schon minderwertig, nachlässig oder schuldig fühlen.

Es gibt auch Situationen wo die Angst vor Fehlern angebracht ist. Sie können viel Geld kosten oder für einen selbst aber auch für andere einen grossen Schaden bedeuten. Stellen Sie sich vor, in einem Atomkraftwerk oder bei einer Fluggesellschaft würde fahrlässig mit Fehlern umgegangen. Das könnte zu einer Katastrophe führen.

Jedoch wurde oft übersehen, dass Fehler machen auch zu neuen Chancen führen kann. „Wenn es keine Fehler geben würde, woran würden wir dann erkennen, an was wir noch zu arbeiten haben?“. Es gibt Situationen in denen Fehler geradezu notwendig sind. Zum Beispiel überall da wo Fehler neues Wissen aufdecken können. In der Wissenschaft, im Unterricht, in der Forschung, im persönlichen Leben.

Wo haben Fehler positive Wirkung?

Beim Lernen

Die Piloten fliegen bei der Ausbildung in den Simulatoren. Hier sind Fehler erwünscht, um zu lernen, was passiert wenn Fehler gemacht werden. Sie lernen dadurch was sie nicht machen dürfen. Lernforscher Oser nennt dies das Ansammeln von negativem Wissen. Sie lernen wie etwas nicht ist und wie etwas nicht funktioniert. Sie lernen auch welche Strategien nicht funktionieren und welche Konzepte und Theorien falsch sind. Durch das Lernen von negativem Wissen steigt immer der Wunsch und der Drang, etwas zu können oder zu wissen. Somit ist auch negatives Wissen sehr hilfreich. Wer Fehler macht fördert das Streben danach, es beim nächsten Mal richtig zu machen. Angst und Scham bilden dabei die Emotionen welche die Fehler in Erinnerung behalten und dafür sorgen, dass wir diese nicht wieder machen. Gerade weil Fehler so negative Emotionen auslösen, schützen sie uns vor dem Wiederholen. Wir bauen dadurch ein Immunsystem gegen Fehler auf. Jedoch nur dann, wenn wir Fehler zulassen und als normalen Wachstumsprozess betrachten.

Negatives Wissen hilft auch komplexe Zusammenhänge besser zu verstehen. Sie rufen uns Normen ins Bewusstsein. Wer sich in einem fremden Land falsch verhält und den Unmut der Bevölkerung zu spüren bekommt, lernt welche Regeln in diesem Land gelten.

Aus Fehlern lernen funktioniert jedoch nur in einem entsprechenden Umfeld, welches Fehler zulässt. Es braucht eine entsprechende Fehlerkultur. Es braucht eine Kultur in welcher Menschen, welche einen Fehler gemacht haben nicht bloss gestellt werden, sondern ermutigt werden, es besser zu machen. Eine gute Fehlerkultur gründet auf Akzeptanz dass Fehler möglich sind. Es braucht eine offene Kommunikation und den offenen Austausch über eingetretene Fehler. Auch ist eine gegenseitige Hilfestellung bei der Fehlervermeidung von Nöten. Empirische Studien belegen auch, dass eine solche Umgebung in der Tat zu besseren Leistungen führt. Diese Studien zeigen, dass Unternehmen, welche dies Kultur leben besonders erfolgreich sind. Sie erreichten ihre Ziele, waren besser als die Mitbewerber und erzielten überdurchschnittliche Renditen.

Kreativität

Sicher kennen Sie die Post-it Notes. Die entstanden durch einen massiven Fehler. 3M wollte eigentlich einen neuen Superkleber entwickeln. Sie entwickelten einen Kleber, der auf allen Flächen hält. Der Kleber konnte aber auch wieder von allen Flächen leicht entfernt werden. Somit stellte 3M die Forschung für diesen Kleber ein. Erst Jahre später ärgerte sich ein Beteiligter, beim Singen im Chor, dass ihr die Notizen am Notenständer immer wieder runter fielen. So erinnerte er sich wieder an den Kleber und schmierte diesen auf die Notizen, welche jetzt auf dem Notenständer kleben blieben. Post-it war erfunden.

So sind viele Erfindungen durch Fehler entstanden. „Jeder Mensch scheitert. Aber am häufigsten scheitern die Innovatoren, weil sie mutiger und ehrgeiziger sind“ meinte Howard Gardner, Psychologieprofessor an der Harvard Universität. Nur wer bereit ist, Fehler zu machen, sich wieder aufzurappeln und sich immer wieder zu versuchen, hat die Chance neue Innovationen hervor zu bringen. Die grössten Erfindungen wurden gemacht, weil kreative Menschen bereit waren, Fehler zuzulassen, das Nichtwissen zu akzeptieren und den Widerständen zu trotzen.

Streng logisch gesehen, bieten Misserfolge mehr Lerngelegenheiten als Erfolge. Unsere Fähigkeit zu irren kann man nicht von der Fantasie trennen. Je mehr wir irren, je mehr aktivieren wir unsere Phantasie.

Beziehungen zu anderen aufbauen

Vielleicht, wenn ich mich recht erinnere, soweit ich weiss, wahrscheinlich, sind Ausdrucksformen, welche zeigen, dass wir uns irren könnten. Wir signalisieren damit, dass wir auf dem falschen Weg sein könnten. Dies ist der genaue Gegensatz zu entweder oder. Schwarz oder weiss. Es zeigt die Unsicherheit über meine getätigte Aussage. Oft werden solche Aussagen als mangelndes Selbstvertrauen oder schwacher Persönlichkeit gedeutet. In Wahrheit ist es jedoch eine Art herausfordern und hinterfragen der eigenen Überzeugungen. („selbstsubversives Denken“) Dadurch können komplexe Zusammenhänge besser verstanden werden und es bietet auch Raum für andere Möglichkeiten. Es eröffnet auch die Möglichkeit zu besseren und offeneren Unterhaltungen mit anderen Menschen.

Auch Untersuchungen zeigen, dass Unsicherheiten und Irrungen die Beziehung zu anderen fördern. Menschen die Fehler machen werden von anderen als zugänglicher und sympathischer empfunden. Bei den perfekten Zeitgenossen bauen sich oft Mauern und Ablehnung auf.

Oft werden Menschen die schusselig sind und denen ein Malör passiert, als sympathisch empfunden. Diese Sympathie verstärkt sich noch, wenn der Tollpatsch Scham oder Reue zeigt. Die Wissenschaft bezeichnet dies als „pratall effect“ (Reinfalleffekt). Wer Fehler macht, hat die Sympathie aber auch die Lacher auf seiner Seite. Menschen welche ihre Fehler selbstironisch kommentieren kommen bei anderen gut an. Auch Frauen finden Männer, welche über sich selbst Witze machen können viel sympathischer und anziehender als die „makellosen“ welche den Perfekten mimen wollen.

Auch Fehler bei denen wir anderen geschadet haben, müssen sich nicht gegen uns wenden. Patienten die einem Kunstfehler unterlagen, klagten viel weniger, wenn der Arzt zu dem Fehler stand und ehrliche Reue zeigte. Die Patienten konnten diesen Ärzten sehr oft verzeihen und oft kam es nicht einmal zu einer Klage.

Ärzte die nicht zu ihren Fehlern stehen wurden viel öfter und mit viel höheren Summen verklagt.

Fehler akzeptieren

Es wird Zeit, dass wir Fehler als etwas Normales akzeptieren. Wir müssen nicht irren, jedoch wir können irren. „Wir sind die einzige Spezies die sich verrückte Ideen ausdenken, Luftschlösser bauen und die wildesten Fantasien schwelgen können“. In diesen Fantasien sind immer auch Irrwege verborgen. Doch genau das ist der machvolle Antrieb zu Kunst und Innovation. Sie leistet auch einen Beitrag zu einem glücklichen Leben.

Depressive Menschen sind sehr oft in den Details verfangen. Sie beschäftigen sich vermehrt mit der akkuraten Wahrnehmung der Wirklichkeit. Optimismus, Selbstüberschätzung und das Gefühl alles unter Kontrolle zu haben sind diesen Menschen fremd. Ihre Wahrnehmung ist auf das was Sie sehen und hören beschränkt. Es gibt kein „da draussen“ oder was wäre wenn. Es gibt für sie nur ein „ist“. Fröhliche Menschen hingegen glauben, dass ihre Nächsten wären besonders liebe, ihr Haus besonders schön, ihre Vorhaben besonders heldenhaft und wertvoll.

Diese Vorstellungen mögen die Wahrheit verbiegen, wehren jedoch Depressionen ab. Sie geben dem Leben einen Sinn und machen auch die Menschen in unserem Umfeld glücklich.

Deshalb:

Auf zu Fehlern und viel daraus lernen!

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Der Erfolgsmanager steckt in dir!