Menschen, die viel Zeit im Internet verbringen, leiden häufiger an depressiven Symptomen als Menschen, die das Netz nur gelegentlich nutzen. Zu diesem Ergebnis kamen britische Psychologen.

Menschen, die viel Zeit in Online-Communities verbringen, sind häufig depressiv. Die Wissenschaftler der University of Leeds fanden auffällige Hinweise darauf, dass einige User ein zwanghaftes Internetverhalten entwickelt hatten: Sie ersetzten soziale Interaktionen im realen Leben durch solche in Chatrooms oder Online-Communities. Die Ergebnisse legen nahe, dass diese Art des Surfens süchtig macht und ernste Auswirkungen auf die mentale Gesundheit haben kann.

„Zwar spielt das Internet im modernen Leben eine große Rolle, doch es hat auch eine dunkle Seite“, sagt die Studienleiterin Catriona Morrison von der University of Leeds. „Während viele das Netz nutzen, um Rechnungen zu zahlen, einzukaufen und E-Mails zu versenden, kann ein Teil der Bevölkerung nur schwer kontrollieren, wie viel Zeit sie online verbringen. Das geht bis zu dem Punkt, wo ihr Internetverhalten die täglichen Aktivitäten stört.“

Im Verhältnis verbringen diese Menschen mehr Zeit auf Sex- und Spiele-Seiten sowie in Online-Communities als nicht-abhängige Nutzer. Zudem leiden sie häufiger an mäßigen bis starken Depressionen. „Unsere Studie legt nahe, dass eine exzessive Internetnutzung mit Depressionen zusammenhängt“, sagt Catriona Morrison.

„Allerdings wissen wir nicht, was zuerst kommt: Fühlen sich depressive Menschen stärker vom Internet angezogen oder verursacht das Netz Depressionen?“ Fest stehe hingegen, dass eine exzessive Internetnutzung ein Warnsignal für depressive Tendenzen sein kann.

Massenselbstmord durch Online-Communities Ereignisse, wie die Selbstmordserie im Jahr 2008 in Bridgend, einer Gemeinde im Süden von Wales in Großbritannien, führten zu der Frage, in welchem Ausmaß Online-Communities dazu beitragen können, depressive Gedanken bei verletzlichen Jugendlichen zu fördern. In der Studie der University of Leeds waren mehr junge Menschen mit einem Durchschnittsalter von 21 Jahren internetabhängig als Nutzer mittleren Alters.

„Die Studie stützt die oft geäußerte Vermutung, dass ein Überengagieren auf Websites, die normale soziale Funktionen ersetzen, mit psychologischen Störungen wie Depression und Abhängigkeit zusammenhängen“, sagt Morrison. „Jetzt gilt es zu untersuchen, welche größeren gesellschaftlichen Auswirkungen diese Beziehung hat. Außerdem müssen wir die Effekte bestimmten, die exzessiver Internetkonsum auf die mentale Gesundheit hat.“

In dieser ersten großangelegten Studie dieser Art nahmen 1319 Menschen im Alter von 16 bis 51 Jahren teil. 1,2 Prozent von ihnen wurde als internetsüchtig eingestuft. Das Magazin Psychopathology hat die Untersuchung veröffentlicht.