Liebe Freunde

heute habe ich einen interessanten Artikel von Helmut Fuchs, zum Thema positive Psychologie gelesen. Ich möchte euch diesen ungekürzt weiter geben. Viel Spass beim Lesen.

von Helmut Fuchs (www.helmutfuchs.de)

Immer wieder erlebe ich, dass bei meinen Vorträgen oder Seminaren bei der Erwähnung der Wurzeln meiner unterschiedlichen Themen, die Teilnehmer oder Zuhörer abwinken und bemerken, dass die Positive Psychologie doch ein alter Hut wäre und die Unwirksamkeit der Aussagen von Norman Vincent Peale oder seinen Jüngern doch längst bewiesen wäre. Hier liegt eine Verwechslung vor.

Die Positive Psychologie ist  in der Psychologie eine relativ junge Teildisziplin, die jedoch tiefe Wurzeln hat. Formell begründet wurde sie 1998 durch Prof. Martin Seligman, den damaligen Präsidenten der international bedeutenden American Psychological Association. Dieser Zweig beschäftigt sich mit den psychologischen Fragen des Lebens, die es lebenswerter machen, mit den Stärken und Ressourcen des Menschen und deren Förderung im täglichen Miteinander. In der psychologischen Diagnostik findet sich dieser Ansatz schon seit Längerem in Begriffen wie Potenzial-Entwicklung oder HRM Human Ressource Management. Das Paradigma der Positiven Psychologie steht im Kontrast zu eher konflikt- oder defizitorientierten Ansätzen, wie sie in der Psychologie, und speziell in der Diagnostik Tradition waren  Myers (2000)  wies auf die interessante Tatsache hin, dass in der psychologischen Literatur der letzten 30 Jahre 46000 Artikel über Depressionen und nur gerade 400 über Freude zu finden sind. Eine Erklärung für dieses Ungleichgewicht finden wir in der politische Vergangenheit.

Die Psychologie hat sich seit dem Zweiten Weltkrieg und im Kontext dieses Ereignisses hauptsächlich und und nachvollziehbar mit negativen Aspekten menschlichen Daseins (Ängste, Depression, Ärger, Phobien, Burn-out, Bossing) beschäftigt. Vernachlässigt wurde, dass auch positive Aspekte wie Flow, Stärke, Wachstum, Lebensfreude, Glück oder Kreativität zum Leben der Menschen gehören und damit wissenschaftlich berücksichtigt werden müssen. So ist Seligman (2000) überzeugt, dass nicht ein Krankheitsmodell zentral für die Prävention von mentaler Krankheit ist, sondern die Berücksichtigung und Förderung von menschlichen Stärken. Optimismus, Verantwortung oder Authentizität können wichtige Puffer gegen psychische Krankheiten sein wie der junge Zweig der PNI-Forschung belegt.

Die Positive Psychologie beschäftigt sich mit drei Fragestellungen. Sie fokussiert erstens auf die Ebene des positiven Erlebens. Dazu zählen positive Gefühle, Wohlbefinden, Glück, Flow (das vollständige Aufgehen in einer Aufgabe), Hoffnung oder Arbeits- und Lebenszufriedenheit. Zweitens rücken positive Eigenschaften in den Vordergrund. In welchen Bereichen können sich Menschen mit ihren besonderen Eigenschaften entwickeln, aufblühen und sich von der besten Seite zeigen? Mit solchen Fragen rücken der Charakter und die Tugenden wieder in den Blick der Psychologie. Drittens sind positive Institutionenein Gegenstand der Forschung. Hier wird etwa untersucht, was Institutionen auszeichnet, die Wachstum erlauben. Alle diese Aspekte müssen noch erforscht werden. So ist eine Klassifikation von Charakterstärken und Tugenden zu erstellen; zudem muss positives Erleben genauer als bisher exploriert werden. Ferner stellt sich die Frage nach Interventionen und Bedingungen, die Veränderung von einer nur leidfreien hin zu einer sinnerfüllten Befindlichkeit ermöglichen. Positive Psychologie fragt: Was sind die psychologischen Bedingungen für ein «gutes Leben?» Welches sind die Wege zum Glück?

Am TAM-Institut für Persönlichkeitsforschung stehen solche SELFNESS- Strategien im Mittelpunkt der Arbeit. (Siehe auch Buchempfehlung SELFNESS von Helmut Fuchs/Andreas Huber)

Frage an die Blog-Teilnehmer: Welche positiven Strategien haben sich bei Euch/Ihnen bewährt?